Rückblick: Von der Renaissancestadt zur City – jetzt kommst du! Und wo bleiben wir?*

*– der Titel der Veranstaltung steht in Anlehnung an die allerorts sichtbare Werbung für die Modernisierung der Stadt Augsburg.

Das Thema Flächenfraß in Augsburg ist hochaktuell. An allen Ecken und Enden wird gebaut, abgerissen und neugebaut. Markus Siefer, Student der Archäologie und Kunstgeschichte, hat die Initiative ergriffen, um einen Diskurs über damit in Zusammenhang stehende Problematiken zu eröffnen und verschiedene Gruppen und bereits Aktive zusammenzubringen.

Er stellte in seinem Vortrag zunächst die aktuelle Situation in Augsburg dar, ging dann auf Augsburgs Veränderungen in den letzten zehn Jahren ein und unterfütterte die Darstellungen mit Argumenten für den Erhalt der Flächen und Bauten.

Seine zwei Hauptanliegen sind, dass vor allem Grün- und Landwirtschaftsflächen zunehmend versiegelt werden und (zum Teil denkmal-würdige) Altbauten lukrativeren Neubauten zum Opfer fallen. Ersteres ist aus ökologischer Sicht bedenklich: wichtige Habitate gehen verloren, kostbarer Boden wird unwiederbringlich zerstört, Naherholungsgebiete werden rar. Für Luft und regionale Landwirtschaft sind Boden und Grünflächen von großem Wert. Der Bauboom hat gleichzeitig zur Folge, dass Wohnraum immer teurer wird. Anhand von Bildern stellte Siefer dar, wie stark die Verstädterung Augsburgs in den letzten zehn Jahren zugenommen hat und welche Bauprojekte für die nahe Zukunft geplant sind: für Uniklinik, Reesepark, Dehnerpark, die Linie 5 und den Innovationspark werden hektarweise Flächen versiegelt und es fallen den Bauprojekten viele, z.T. sehr alte Bäume zum Opfer. An anderer Stelle werden Häuser aus dem 16. Jahrhundert abgerissen, die historischen Wert haben (z.B. in der Georgenstraße) um gewinnbringende Neubauten zu errichten. Auch der Martinipark ist von solchen Neubauten betroffen, die es mit sich brachten, dass das Gärtnerhaus, welches eine besondere Heiztechnik hatte, abgerissen wurde, da es dort – O-Ton Martini – ein Fremdkörper sei (aus architektonischer Sicht). Einer von Siefers Kritikpunkten an den neuen „Schuhkartons“ ist die Veränderung des historischen Charakters der Stadt und des Verlusts des Wissens, das sich in den alten Architekturen, Formen und Baumaterialien befindet.

Bisher in diesem Artikel nicht erwähnt ist die Bebauung der alten Flugplatzheide – hier soll ein Flüchtlingsheim entstehen. Ein schwieriger Punkt, um den es bereits viel Diskussion gegeben hat. Die vier Hektar große Heide (die bereits auf vier Prozent ihrer einstigen Größe geschrumpft ist) ist von 85 seltenen Tier und

Die alte Flugplatzheide (Quelle: Privat)

Pflanzenarten bewohnt, von denen einige sogar auf der roten Liste stehen. Es kann in keinem Fall darum gehen, den Bau einer Unterkunft für Flüchtlinge zu verhindern. Doch auch wenn nur ein Fünftel des jetzigen Areals bebaut werden soll, steht es in Frage, ob dieser Ort – sowohl wegen seiner ökologischen Bedeutung als auch aufgrund seiner relativen Abgeschiedenheit von der Stadt – der richtige ist, um dies zu verwirklichen, wenn es in der Stadt Möglichkeiten gäbe, Wohnraum zu schaffen, der dezentraler ist und damit bessere Möglichkeit zur Integration böte. Dass es trotz Wohnungsmangel viele Leerstände gibt, ist wenig bekannt. Der Vortragende hat darum mit Unterstützung des Öko-Sozial Projekts einen Leerstandsmelder für Augsburg eingerichtet. Hier kann jeder Leerstände eintragen und einsehen.

Die lebhafte Diskussion, die sich an den Vortrag anschloss, wurde mit wertvollen Informationen vom NABU, dem Forum Fließendes Geld (Agenda 21), der Solidarischen Landwirtschaft, dem Contact in Augsburg e.V. u.a.m. gespeist. Auch wenn man zeitweise etwas vom Hauptthema abkam, herrschte am Ende Konsens, dass es nicht bei dieser Einzelveranstaltung bleiben soll, sondern weitere Vortragsabende, Diskussionen und insgesamt eine Zusammenarbeit verschiedener Gruppierungen erwünscht sind, um das Bewusstsein für die Thematik bei den Bürgern zu stärken und etwas zu bewegen. Wer mitarbeiten möchte, kann eine E-Mail an greenofficeaugsburg.de schreiben um mit anderen Interessierten vernetzt und über Aktionen informiert zu werden.

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